Filmwoche(nende) geht zu Ende – Publikumspreise verliehen
Nach fünf Tagen und Nächten Filmwochenende zieht die Filminitiative eine erste Bilanz des 36. Internationalen Filmwochenendes Würzburg. Zuerst muss man feststellen, dass man dieses Jahr eher von einer Filmwoche reden müsste, als von einem Wochenende. Bereits Dienstag abend kam es im Rahmen des Festivals zu einer Sonderveranstaltung in der Posthalle. Über 400 Besucher sahen hier den Film “Universalove” mit dem live gespielten “Soundtrack” der österreichischen Indie-Rock-Band Naked Lunch. Was die Veranstalter besonders freut, ist der geglückte Umzug vom Corso-Kino ins Cinemaxx, das bereits mehrere Jahre als Nebenspielort zur Verfügung stand. Durch den Wegfall des letzten Würzburger Programmkinos befürchtete man vor Festivalbeginn noch einen Besucherschwund. Doch auch in diesem Punkt kann die Filminitiative um Hauptorganisator Hannes Tietze einigermaßen beruhigt in die Zukunft schauen. Zur Preisverleihung gestern abend gab Tietze bekannt, dass bis zu diesem Zeitpunkt (einige Filme standen noch aus) bereits 12.000 Besucher das Internationale Filmwochenende besucht hatten. Durch den Wegfall eines Kinosaals im Vergleich zum letzten Jahr (13.000 Besucher) ein sehr erfreuliches Ergebnis.
Weiter gaben die Organisatoren bekannt, dass es derzeit so aussieht, als ob man am Ende wohl auch bei der Finanzierung und damit dem wichtigsten Punkt in Sachen Zukunftsplanung, bei etwas Gewinn rauskommt. Ebenfalls bedeutend für die Zukunft ist die geglückte Zusammenarbeit zwischen Cinemaxx, Bockshorn und den Veranstaltern. So kam bei vielen Zuschauern auch im großen Kino-Center “Festival-Atmosphäre” auf.
“Insgesamt lässt sich auf ein gelungenes Filmwochenende zurückblicken und feststellen, dass die beste Ausgangsbasis für eine 37. Auflage des etablierten Filmfestesgeschaffen wurde”, so Tietze am Ende seiner Rede.
Als kleines Schmankerl ließ er noch durchblicken, dass man auch von sehr erfolgreichen Nebenveranstaltungen sprechen kann. Bestes Beispiel hierfür war die Party am Samstag abend. Hier wurde teilweise so viel gefeiert, dass ein Gast wichtige Termine absagen musste, da er seinen Flieger nicht mehr erreichen konnte. Wie später bei der Preisvergabe bekannt wurde, hatte Regisseur Dome Karukoski aufgrund der ausgelassenen Feierei sein Flugzeug zurück in die finnische Heimat verpasst, wo er am Sonntag eigentlich den “Finnischen Filmpreis” hätte entgegen nehmen sollen. Aber vielleicht dachte sich der Preisträger einfach, dass man ab und zu auch mal Prioritäten setzen muss.
Nachdem Mitorganisatorin Susanne Bauer sich bei den zahlreichen Sponsoren, Austragungsstätten und vielen freiwilligen Helfern bedankt hatte, übergab sie das Wort an Rudi Siebeneichler, der die Preise des Schaufensterwettbewerbs vergeben durfte. Der dieses Jahr zum ersten Mal ausgetragene Wettbewerb fand bereits im Voraus des Festivals statt und forderte zahlreiche Geschäftsinhaber der Innenstadt dazu auf, möglichst ansprechende Werbung für das Filmwochenende zu machen. Den ersten Platz erlangte hier das Spielzeuggeschäft “Die Murmel”. Gefolgt vom ebenfalls in der Augustinerstraße ansässigen “Hutladen” und dem Buchladen “Neuer Weg” in der Sanderau.
Im Anschluss wurden die Sieger der verschiedenen Kategorien gekürt. In Würzburg gibt es hier eine Besonderheit, die die Filmemacher besonders stolz macht, denn jeder Preis wird einzig und allein vom Publikum bestimmt.
Der Preis (150 €) für den besten Film in der Kategorie “Nacht der Selbstgedrehten” ging dieses Jahr an die Produktion “Spannende Welt der Kommunikation” aus dem Röntgen-Gymnasium Würzburg. In der Kategorie “Kinder und Jugendfilmpreis” räumte der lettische Film “Mazie Laupitaji – Die kleinen Bankräuber” von Armands Zvirbulis das Preisgeld in Höhe von 1500 € ab.
Der Kurzfilmpreis in Höhe von 750 € ging in diesem Jahr an den schwedischen Regisseur Joen Windahl, der mit seiner Produktion “Tennis är Livet – Life is Tennis” für Begeisterung im Publikum sorgte. Platz Zwei (500 €) ging an Hüseyin Tabak mit seinem Film “Cheeese…”. Den mit 250 € dotierten dritten Platz belegte Steffen Schäfflers “Screen Test”.
Bei der Vergabe des Dokumentarfilmpreises ging es richtig zur Sache. Nachdem Alessandro Negrini den dritten Platz für seine nordirische Produktion “Paradiso” entgegengenommen hatte, unterschieden sich die beiden weiteren Gewinnerfilme um nur eine Hundertstelstelle in der Note. Daraufhin entschied man sich, den auf 1500 € dotierten ersten Platz zweimal zu vergeben und das Preisgeld mit jeweils 1250 € an die Gewinner zu überweisen. “Sponsor Distelhäuser wusste zwar noch nichts von seinem Glück”, scherzte Hannes Tietze, “aber bis jetzt waren die Leute von Distelhäuser immer sehr kooperativ. Und zur Not zahlt man den Aufpreis selbst.” So ging der erste Platz an die beiden Filme “Pianomania” von Lilian Franck und Robert Cibis und “Geburt” von Erich Langjahr und Silvia Haselbeck. Sabine Panossian, die im Film “Pianomania” die Co-Regie führte, nahm den Preis in Vertretung für Lilian Franck und Robert Cibis entegegen. Erich Langjahr, der bereits als langjähriger Gast beim Filmwochenende bekannt ist, nahm den Preis gemeinsam mit seiner Familie entgegen.
Der Spielfilmpreis in Höhe von 2500 € (bereitgestellt von der VR-Bank und Union Investment) ging beim 36. Internationalen Filmwochenende Würzburg an die türkische Produktion “Mommo – Kiz Kardesim” von Atalay Tasdiken. Auf Platz zwei landete Dome Karukoskis “Kielletty Hedelmä – Forbidden Fruit”, der sich wohl gerade zu diesem Zeitpunkt auf dem Weg nach Finnland befand, gefolgt von der US amerikanischen Produktion des Regisseurs Scott Sanders “Black Dynamite”. Der Gewinnerfilm, der als Abschluss des Filmwochenendes noch einmal gezeigt wurde, erzählt die Geschichte von einem neunjährigen Jungen, der für seine kleine Schwester nicht nur der große Bruder, sondern gleichzeitig auch Vater und Mutter ist. Einer der Hauptdarsteller, der im Film den bösen Vater, der seine Kinder abschiebt, spielt nahm gestern Abend den bedeutenden Preis entgegen. Er bedankte sich beim Regisseur und vor allem dem Publikum, die dem Film diesen Erfolg ermöglicht habe. Er habe schon viele Festivals erlebt, aber was die Zuschauer angeht, muss er zugeben, dass es ihm nirgends besser als in Würzburg gefallen habe. Und er war schon auf Filmfesten in London, Berlin oder Nürnberg. Gleichzeitig entschuldigte er sich bei den Kindern auf der ganzen Welt, dass sie so etwas heutzutage noch erleben müssen. Ihm fiel die Rolle sehr schwer, da er bevor er mit diesem Film in das Filmgeschäft eingestiegen ist über 19 Jahre als Leiter eines eigenen Kindertheaters den Kindern eine Freude gemacht hat und jetzt auf einmal die Rolle des bösen Mannes annehmen sollte.
Zum Abschluss ergriff Hannes Tietze noch einmal das Mikrofon und bedankte sich beim Publikum für ihre Anwesenheit und fügte hinzu: “Hoffentlich sehen wir uns im nächsten Jahr wieder!”















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